Im Gespräch mit Maria Bruun vom Union House Dortmund

'Danish smørrebrød', Bild: Lara Ingenbleek
‚Danish smørrebrød‘, Bild: Lara Ingenbleek

Es sollten mehr kochbegeisterte Dänen nach Dortmund kommen.

Im Union House gibt’s Vitamine auf die Hand!

Hätte mich vor einigen Jahren Jemand gefragt, wo die Rheinische Straße in Dortmund ist, hätte ich ihn gefragt, was er denn da will. Es ist nicht lange her, dass man das Viertel um das Dortmunder U nur bei Nacht besuchen wollte. Mit der Marlene Bar, dem Moog, View und dem FZW hat Dortmund nach dem bedauernswerten Ende des Thier-Geländes ein neues Ausgeh-Viertel geschaffen. Dazu kommen jetzt ein paar stylische Restaurants wie zum Beispiel das Union House. Von Lara Ingenbleek

15.Juli 2016, 15:04 Uhr

An diesem Donnerstag strahlt in Dortmund die Sonne. Bewaffnet mit meiner Kamera-Ausrüstung eile ich die Humboldtstrasse hinunter Richtung Rheinische Straße, vorbei an der Marlene-Bar (und erinnere mich schemenhaft an so manch lustigen Abend).

Schon an der Ecke sehe ich, dass sich auf der Rheinischen Straße einiges getan hat. Die Fassaden der neuen Restaurants und Läden erinnern eher an den Prenzlauer Berg als an die Dortmunder Innenstadt. Ich nähere mich meinem Ziel und trete in einen kleinen, geschmackvoll eingerichteten Laden und vernehme den Geruch von frischem Brot und Kaffee. Maria Bruun (29), Managerin des neuen Dortmunder Superfood-Restaurants kommt mir strahlend entgegen. Vor mir steht eine bezaubernde junge Frau mit langen blonden Haaren und strahlend blauen Augen.

'Maria Bruun'. Bild: Lara Ingenbleek
‚Maria Bruun‘. Bild: Lara Ingenbleek

Maria hat noch etwas in der Küche zu tun, also nutze ich die Zeit und inspiziere den Laden, der zum größten Teil aus einer Theke und einer Glasvitrine besteht, in der mich bunt belegte Brote anlachen. Mein Blick fällt auf den Apfel am Ende der Vitrine, der alleine unter einer großen Glashaube ruht.

Durch die kleine Küche gelange ich in den grün bepflanzten Hinterhof, in dem ich es mir an einem großen Holztisch bequem mache. Der Lärm der Straße scheint hier zu verstummen. Nebenan findet gerade eine Fotoausstellung statt und ich spähe um die Ecke und entdecke ein mir bekanntes Gesicht. David Doehrer von Tapir. Er und sein Geschäftspartner Dennis Treu drehen gerade eine Doku über das Union-Viertel. Als ich ihnen erzähle, was ich hier mache, würden sie gerne mein Interview für ihr Projekt filmen. Aber klar doch! Was für ein schöner Zufall. Maria ist nun startklar und ich gehe mit meiner spontanen Verstärkung hinein. Wir machen es uns auf der kleinen Bank im Fenster bequem…

Lara: Woher kommst Du Maria?

Maria: Geboren bin ich in Dänemark, Kopenhagen. Anschließend lebte ich mit meiner Familie zwölf Jahre in Schweden. Später ging ich nach Abu Dhabi und arbeitete dort mit Pferden.

Lara: Mit Pferden?

Maria: Ja, ich habe für ein Jahr dort Pferde trainiert. Danach ging es für meine Schwester und mich acht Monate nach Ibiza. Wir gründeten eine „Raw-Food-Catering-Company“ und belieferten Partys auf Booten und Villen mit gesundem Essen. Das war der Zeitpunkt meines Einstiegs in die Gastronomie.

Lara: Aber Du hast eigentlich etwas ganz anderes gelernt?

Maria: Ja, ursprünglich habe ich eine Ausbildung zur Personal Trainerin gemacht. Ich war schon immer an Sport, Gesundheit und bewusster Ernährung interessiert und versuchte dies miteinander zu verbinden.

Bild: Lara Ingenbleek
Bild: Lara Ingenbleek
Lara: Und wie kamst Du von Ibiza nach Dortmund?

Maria: Vor zwei Jahren traf ich meinen jetzigen Freund Tim auf einem Festival. Tim kommt aus Dortmund und wir lebten das erste halbe Jahr in einer Fernbeziehung. Vor knapp anderthalb Jahren traf ich dann die Entscheidung Ibiza zu verlassen und nach Dortmund zu kommen.

Lara: Als Du nach Dortmund kamst, hast Du dich direkt in die ersten Projekte gestürzt. Was hast Du vor dem Union House gemacht?

Maria: Als ich hier hin kam, habe ich zuerst als Personal Trainerin gearbeitet und einige Kunden betreut. Zusätzlich habe ich auf Streetfoodfestivals mein Konzept „Better Than Yesterday“ angeboten, das gesunde Ernährung und Sport miteinander verbindet. Eines Tages traf ich auf einem Streetfoodfestival eine Frau, namens Christiane Winkelmann, die meine Idee mochte. Sie hatte vor ein Café in Dortmund zu eröffnen und so kamen wir zusammen.

'David und Dennis von Tapir'
‚David und Dennis von Tapir‘
Lara: Du und Frau Winkelmann führt das Union House also zusammen?

Maria: Ja, ich bin die Managerin und mache die Konzeptentwicklung, während Frau Winkelmann die wichtige Person im Hintergrund ist.

Lara: War es ein Traum von Dir einmal selbst eine Gastronomie zu betreiben? 

Maria: Eigentlich nicht (lacht). Ich glaube ich bin hier hin gekommen, weil ich mich schon immer für Ernährung und Essen interessiert habe. ich liebe es mit farbenfrohen Lebensmitteln zu experimentieren und zu kochen. Kochen ist wie Meditation für mich. Während andere zum Yoga gehen, stehe ich stundenlang in der Küche. Die Zeit verfliegt dort für mich, weil ich es wirklich genieße.

Maria bei der Arbeit.
‚Maria bei der Arbeit‘. Bild: Lara Ingenbleek
Lara: Das Union House bietet vor allem vegetarische Speisen und Fisch an. Bist Du selbst Vegetarierin?

Maria: Zu Hause versuche ich mich vegan zu ernähren. Im Restaurant esse ich ab und zu ein bisschen Käse und Fisch. Aber sehr wenig.

Lara: Und warum? Aus Überzeugung?

Maria: Ich denke, dass wir Menschen eigentlich nicht dafür gemacht sind Tiere zu essen. Allein unsere Zähne… wir haben keine Fang- oder Reißzähne, wir müssen das Fleisch mit Messer und Gabel zerschneiden. Das ist das eine. Wenn man dann noch betrachtet, was in unserem Körper passiert, wenn wir Fleisch essen. Wir können es nicht gut verdauen. Die Tiere stehen unter unglaublichem Stress bevor sie geschlachtet werden und dieses Stresshormon, das nachweisbar im Fleisch ist, ist nicht gut für den menschlichen Körper. Es ist Gift für uns. Es gibt so viele Gründe, warum ich kein Fleisch esse und ich fühle mich wirklich fitter und besser seitdem. Ich esse seit zwei Jahren fast ausschließlich vegan und hatte seit dem keine Erkältung mehr.

Lara: Das hört man von vielen Veganern. Kommen wir zurück zum Union House. Was bietet Eure Speisekarte den Gästen?

Maria: Hauptsächlich biete ich Frucht- und Superfood-Smoothies an. Daneben gibt es eine Auswahl an Salaten und Paninis, die hauptsächlich vegetarisch oder vegan sind. Das Brot kommt von der Bäckerei Hohoffs in Waltrop. Es ist ein veganes Vollkornbrot, das sie extra für uns herstellen. Das Brot ist ein wichtiger Teil für uns. Wir haben auch selbstgemachte Salate wie zum Beispiel unseren Salat Marokko mit Linsen, roter Beete, Ziegenkäse und Minze. Alle Dressings und Topings mache ich selbst und sind auch zum größten Teil vegan. Neu auf der Karte ist unser Danish smørrebrød, das es vorerst nur donnerstags und freitags gibt. Es handelt sich dabei um belegte Brote, eine sehr alte Tradition in Dänemark. Du erhältst es dort an jeder Ecke. Für uns Dänen ist es wie für die Deutschen die Curry-Wurst.

Lara: Superfood, das hört man jetzt überall. Kannst Du uns diesen Begriff erklären?

Maria: Superfood ist die Bezeichnung für besondere Beeren und Pflanzen wie zum Beispiel die Acai-Beere oder Matcha. Superfoods sind natürliche, nicht industriell hergestellte Lebensmittel, die einen hohen Anteil an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien aufweisen.

Lara: Zu Deiner Heimat. Würdest Du sagen, dass sich die Dänen gesünder ernähren als die Deutschen?

Maria: Natürlich nicht alle (lacht). Sie essen viel Fisch, viel Gemüse und Salat. In Kopenhagen sind die Menschen sehr kreativ was ihr Essen angeht, sie kochen viel mit farbenfrohen Lebensmitteln und sind dazu bereit für eine gute Qualität mehr Geld auszugeben.

'Superfood'. Bild: lara Ingenbleek
‚Das Müsli des Union House‘. Bild: Lara Ingenbleek
Lara: Du bist nun seit anderthalb Jahren in Dortmund. Gibt es etwas, das Du vermisst?

Maria: Ja, im ersten Jahr habe ich meine Familie und meine Freunde unglaublich doll vermisst. Ich habe ein sehr enges Verhältnis zu meinen Eltern und meiner Schwester. Zudem musste ich lernen Dortmund nicht mit Kopenhagen zu vergleichen. Natürlich fehlt mir die Architektur, das Essen in Kopenhagen und das Wasser, aber ich mag die Dortmunder sehr gerne. Ich habe das Gefühl, dass hier sehr bodenständige Menschen leben, die mir sehr offen und freundlich begegnen.

Lara: Woher beziehst Du die Lebensmittel fürs Union House?

Maria: Das Brot ist wie gesagt von der Bäckerei Hohoff. Alles andere versuche ich zum größten Teil in den umliegenden Bio-Läden zu kaufen. Ich finde, dass die Bio-Lebensmittel ganz andere Farben und einen besseren Geschmack haben. Außerdem fühle ich mich besser, wenn ich weiß, dass in meinen Smoothies keine Pestizide oder Ähnliches stecken.

Lara: Zu guter Letzt, Beschreibe uns bitte das Union House in 5 Worten.
Maria: Scandinavian, personal, energie, colorful and relaxed.

 

'Der Garten des Union House'. Bild: Lara Ingenbleek
‚Der Garten des Union House‘. Bild: Lara Ingenbleek

 

Nach dem Interview bietet Maria mir einen Smoothie mit Banane, Ananas, Apfel, Avocado und roter Beete an. Köstlich! Während wir uns über Reisen, Essen und Marias weiter Ziele unterhalten, füllt sich der Innenhof mit Gästen. Es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass es hier Vitamine auf die Hand gibt. Als alle Gäste versorgt sind, habe ich noch etwas Zeit mehr über Marias Heimat Kopenhagen zu erfahren. Nebenbei erwähne ich den glücklichen Zufall, dass die Jungs von Tapir vor Ort waren. „Was?“, sagt Maria, „ich dachte die gehören zu Deinem Team?“ Wir lachen und ich glaube ich habe einen neuen Ort in der Dortmunder Innenstadt gefunden, den ich gerne wieder besuchen möchte.

(Das Interview habe ich aus dem Englischen übersetzt. Ich hoffe, dass ich Dir mit der Übersetzung gerecht geworden bin liebe Maria)

Eine Website ist in Planung.
Rheinische Str.16
44137 Dortmund
Tel.: 0231 22388807
Öffnungszeiten MO-SA: 10-20 Uhr
Alle Paninis, Smoothies und Co.  sind auch to go erhältlich!

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