Im Gespräch mit Rita Breker-Kremer vom Demeter-Werkhof in Dortmund

Die Abokiste 24 beliefert Dortmund und Umgebung mit biologischen Lebensmitteln aus der Region.

Bio per Mausklick

Seit über 15 Jahren versorgt die Abokiste ihre Kunden mit hochwertigen Bioprodukten und zählt mittlerweile als größter Bio-Lieferservice des östlichen Ruhrgebiets. Als meine erste Regionale-Kiste bei mir zu Hause eintrifft, bin ich schnell von der Qualität und dem Geschmack des Gemüses überzeugt. Doch wo kommen diese frischen Köstlichkeiten denn eigentlich her? Von Lara Ingenbleek

30. Juli 2016, 15:36 Uhr

Vor wenigen Tagen besuchen Philipp Mertens, Shootcuisines Küchenchef (auch bekannt als Küchenchef des Restaurants Rossini in Dortmund 😉 ), und ich den Demeter-Werkhof in Dortmund-Grevel. Die Gärtnerei des Werkhofs gibt es schon seit Anfang der 80er-Jahre. Ursprünglich war der Hof ein Ausbildungsbetrieb für schwer viermittelbare Jugendliche. Heute arbeitet die Sozialpädagogin Rita Breker-Kremer mit Jugendlichen aus einer Schülerschutzmaßnahme an dem Erhalt historischer Tomatensorten und anderen Gemüsearten, die vom Aussterben bedroht sind.

Rita Breker-Kremer erklärt uns liebevoll ihren Gemüseanbau.
Rita Breker-Kremer erklärt uns liebevoll ihren Gemüseanbau.

Verblüfft und überrascht zugleich betreten wir den bunten Hof im Nordosten der Stadt. Wer hätte gedacht, dass hier 4 Hektar Freiland und 13 Gewächshäuser (voll mit buntem Gemüse) auf uns warten. Wir finden Rita Breker-Kremer in einem umgebauten Container, der ihr als Büro dient. Rita empfängt uns mit ihrer ganz besonderen, offenen und gut gelaunten Art. Die Sozialpädagogin, Gärtnerin und Imkerin wuchs mit 10 Geschwistern auf dem elterlichen Bauernhof im Münsterland auf und verlies damals für ihr Studium in Dortmund den ca. 100 Hektar großen Betrieb, der mit Schweinen, Gänsen und Pferden bewirtschaftet wurde. Heute leitet Rita die Demeter-Gärtnerei, die seit einigen Jahren zum Erhalt alter Kultursorten beiträgt, wie den ca. 70 historischen Tomatensorten und knapp 30 verschiedenen Chillisorten.

Lara: Wie kamst Du nach Deinem Studium an den Werkhof?

Rita: Ich habe hier als Sozialpädagogin angefangen und bin dann somit wieder in die Landwirtschaft geraten. Obwohl das nicht mein Plan war. Ursprünglich habe ich hier angefangen, um schwer viermittelbare Jugendliche bei ihrer Ausbildung zum Gärtner zu begleiten. Heute betreue ich Schulverweigerer-Kids, die um die vierzehn/fünfzehn sind und anstatt der Schule unseren Betrieb besuchen. Die Kids haben aber auch hier eine schulische Begleitung, aber arbeiten hier richtig im Betrieb mit.

Bild: Lara IngenbleekLara: Du bist hier nun seit 30 Jahren. Wie ist die Arbeit für Dich mit den Jugendlichen? Gibt es oft Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen?

Rita: Garnicht, würde ich sagen (lacht). Oder nicht mehr. Es gibt welche, die kommen hier hin und gehen wieder, aber die die hier wirklich ankommen, für die ist das grad richtig, diese Kombination aus der Arbeit mit der Erde, der Natur und den Menschen hier. Dass sie selber etwas produzieren, was sie später in den Händen halten können.

Lara: Gehörte der Werkhof von Anfang an zu Demeter?

Rita: Ja genau. Als ich hier anfing war das schon ein Demeter-Hof. Ursprünglich wollte der Werkhof damals eine Waldorfschule gründen, wofür sie aber keine Genehmigung bekommen haben und dann haben sie dieses Projekt mit den Jugendlichen gemacht. Also es gab fünf Werkstätten, eine Schreinerei, eine Schneiderei, die Großküche von der Gesamtschule Scharnhorst, die Gärtnerei und eine Schlosserei. Da wurden damals jeweils zehn schwer viermittelbare Jugendliche ausgebildet bis es dann keine EU-Mittel mehr dafür gab. Daraufhin haben wir uns mit Hilfe verschiedener Maßnahmen wie der ABM, der Arbeitsstadt Sozialhilfe und jetzt der AGH weiterentwickelt. Es läuft immer kunterbunt und so sind auch die Menschen hier. Jetzt haben wir die ersten Flüchtlinge, die hier in der Maßnahme arbeiten.

Lara: Hast Du das Gefühl, dass den Jugendlichen und nun auch den Flüchtlingen die Arbeit Freude bereitet?

Rita: Es ist wirklich so, dass diese Arbeit mit der Erde die Menschen hier anspricht und sie passen auch gut zusammen. Wir sind ein großes Team, manchmal morgens über 30 Menschen. Ich mache es immer so, dass sich jeder aussuchen kann, was er macht und so bilden sich kleine Gruppen. Sie fühlen sich dadurch wesentlich verantwortlicher als wenn man ihnen die Arbeit vorschreibt. So haben viele die Chance hier sich ganz wohl zu fühlen.

 

Werkhof V, Bild: Lara IngenbleekLara: Kommen wir zu dem Inhalt der Gewächshäuser. Was baut Ihr hier an?

Rita: Wir bauen eigentlich alles an Gemüse an, bis auf Spargel und Erdbeeren. Wir haben eine große Vielfalt und versuchen möglichst viele alte oder besondere Sorten anzubauen. Und natürlich saisonal.

Lara: Ihr habt hier Tomatensorten, die ich vorher noch nie gesehen habe. Wie kamst Du dazu die alten Sorten anzubauen?

Rita: Wir sind dazu gekommen, weil uns die Landwirtschaftskammer in Münster angesprochen hat. Da gibt es den Ulli Schulze, der ganz viel zum Erhalt alter Sorten macht. Er hat uns als Leitbetrieb angesprochen und ob wir für ihn alte Tomatensorten vermehren könnten. Daraufhin haben wir gemerkt, dass die Kunden das auch wollen und die Nachfrage sehr hoch ist. Mittlerweile haben wir einen sehr großen Jungpflanzen-Verkauf hier ab dem Hof, aber auch auf regionalen Märkten und an Demeter-Kollegen. Durch die Gewächshäuser haben wir die Möglichkeit früh mit der Anzucht zu beginnen. Wir beschäftigen viele Menschen über den Winter und fangen schon im Januar an, die Gewächshäuser hoch zu heizen. Diese Möglichkeit haben viele Betriebe nicht.

Lara: Kannst Du uns kurz den Unterschied von Demeter zu anderen Bio-Siegeln erklären?

Rita: Wir machen einen kontrolliert-biologosch-dynamischen-Anbau. Das Dynamische beinhaltet diesen Demeter-Anbau mit Richtlinien, die sich auf Rudolf Steiner begründen. Wir haben verschiedene Anwendungen von Präparaten, die zum Beispiel Bio-Land nicht macht. Bio-Land macht kontrolliert-biologischen Anbau und wir setzen quasi noch einen drauf, indem wir gewisse Präparate anwenden und ein paar Mittel nicht anwenden dürfen. Im Bereich des Pflanzenschutzes zum Beispiel.

Die Demeter-Gärtnerei leistet mit ihrer biodynamischen Wirtschaftsweise erheblich mehr als die Bio-EU-Verordnung vorschreibt.
Die Demeter-Gärtnerei leistet mit ihrer biodynamischen Wirtschaftsweise erheblich mehr als die EU-Bio-Verordnung vorschreibt.
Lara: Und was sind das für Präparate, die Ihr anwendet?

Rita: Einmal gibt es die Kompost-Präparate. Das sind sechs Präparate, die wir in den Kompost und somit auch in den Boden einbringen. Beim Jungpflanzenanbau haben wir zum Beispiel die Vorschrift mindestens 30 % eigene Komposterde zur Anzucht zu verwenden. Da vorne steht unser Fass. Das Hornmist-Präparat zum Beispiel wird darin eine Stunde rhythmisch gerührt und mindestens einmal im Jahr auf dem Boden verteilt, um den Boden lebendiger und gesünder zu machen. Dann gibt es noch ein Hornkiesel-Präparat, einen ganz fein geriebenen Quarz, der die Gesundheit der Pflanzen unterstützt. Kieselsäure erhöht die Lichtempfindlichkeit durch die kleinen Kristalle. Nachdem wir auch das eine Stunde rhythmische gerührt haben, wird es auf alle Pflanzen mindestens einmal im Jahr ausgebracht. Die länger stehenden Kulturen wie die Tomaten und die Gurken waren jetzt schon dreimal dran. Innerhalb des Demeter-Verbandes arbeiten wir in Gruppen. Unsere Gruppe ist die Demeter-NRW-Mitte. Wir arbeiten mit vielen Bauern aus dem Windrather Tal zusammen und die meisten Höfe haben ja noch diesen Höfe-Organismus, eine eigene Tierhaltung, dadurch einen eigenen Dünger, eine eigene Landwirtschaft und über die Landwirtschaft wieder eigenes Futter und auch den Gemüseanbau. Das haben die fast alle. Wir sind eine kleine Ausnahme, weil wir soziale Arbeit machen, stadtnah sind und hier keinen Hof haben. Normalerweise gehört zu dem Demeter-Begriff der ganze Kreislauf. Viele der Höfe machen eigenen Käse, eigenes Brot und eigene Wurst. Das ist schon toll!

Lara: Verrate uns doch, wie die Leute Dein Gemüse und deine Jungpflanzen erwerben können.

Rita: Unser Hofladen ist dienstags und freitags von 10-18 Uhr geöffnet. Dann gibt es die Möglichkeit unsere Produkte am Werkhof-Stand auf dem Dortmunder Wochenmarkt und dem Wochenmarkt in Unna zu kaufen. Und natürlich gibt es noch die Abokiste 24. Die liefern an vier Tagen die Woche und dafür bauen wir praktisch an. Wenn wir wissen, dass wir 1200 Kunden haben, bauen wir pro Woche 1200 Salate an.

Lara: Zum Abschluss, beschreibe uns bitte Dein Leben und Deine Arbeit mit fünf Worten.

Rita: Traumjob, Menschen, Natur, Bienen und Artenvielfalt.

Der Asiasalt.
Der Asiasalt des Werkhofs.

Während unserer Führung durch die Gewächshäuser lässt Rita uns das Gemüse probieren und ich übertreibe an dieser Stelle nicht – es schmeckt unglaublich intensiv. Philipp lässt es sich nicht nehmen gleich eine große Bestellung für das Restaurant aufzugeben. Schade, dass niemand unsere Gesichter aufnehmen konnte, als wir den frisch gepflückten Asia-Salat probieren. Der braucht nun wirklich kein Dressing!

Mehr über Rita Breker-Kremer und die Abokiste 24 erfahrt Ihr hier.

 

Bilder: Lara Ingenbleek

Ritas Gemüse, Brot, Molkereiprodukte und Getränken könnt Ihr im Hofladen in Dortmund-Grevel erwerben. Fleisch und Wurstwaren gibt es auf Bestellung.

Öffnungszeiten 

Dienstag: 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Freitag:    10.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Kontakt
Natura Hofladen
Werzenkamp 30
44329 Dortmund

Telefon: 0231-72989230
Telefax: 0231-72989231

Mehr zum Thema Demeter und dem Unterschied zu anderen Bio-Siegeln erfahrt ihr hier.

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