Im Gespräch mit Stefan Manier

„Man kann sich täglich neu verwirklichen“

Stefan Manier wurde in seiner Karriere bereits mit einem Stern ausgezeichnet. Seit 2005 verwöhnt er seine Gäste im Gasthaus Stromberg in Waltrop. In unserem Interview spricht er über das Leben im Ruhrgebiet und verrät uns unter anderem was er als Papa zuhause kocht.

 

 

Im Gespräch mit Stefan Bild: Lara Ingenbleek
          Bild: Lara Ingenbleek
Shootcuisine: Du hast in der Vergangenheit an vielen interessanten Orten wie Bad Pyrmont, St. Moritz, Wien, Rom und Luzern gearbeitet. Nun bist Du im beschaulichen Waltrop. Was magst Du am Ruhrgebiet und gibt es etwas, was Dir hier fehlt?

Stefan: Ich fühle mich sehr wohl im Revier. Die Ruhrstadt bietet sehr, sehr viele Möglichkeiten. Die Menschen sind ehrlich und geradeaus. Das mag ich. Nach 10 Jahren hier kann ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Das Einzige was mir echt fehlt, ist der Schnee im Winter. Ich habe lange im Alpenraum gelebt. Da vermisst man das schon.

Shootcuisine: Als Küchenchef hat man viel zu tun. Du arbeitest neben dem Gasthaus Stromberg an vielen Projekten gleichzeitig. Wie ehrgeizig bist Du?Stefan: Sehr! Leider oft zu sehr……

Shootcuisine: Was ist für 2016 geplant?
Stefan: Besinnung auf das Wesentliche!!!

 

Shootcuisine: Du sagtest mal, dass das Kochen für Dich nicht bloß ein Job wäre, sondern eine Droge. Kannst Du uns das erklären?

Stefan: Das ist so eine Redewendung. Aber für mich ist der Job eben nicht nur eine Arbeit. Ich tue das nicht nur um Geld zu verdienen und mich auf das Wochenende zu freuen. Es macht mir einfach jeden Tag aufs Neue wieder Spaß. Der Job bringt so viele schöne Sachen mit sich. Man kann sich täglich neu verwirklichen. Und wenn einen das mal gepackt hat, geht es nicht mehr ohne.

Gasthaus Stromberg Bild: Lara Ingenbleek
das Gasthaus Stromberg          Bild: Lara Ingenbleek
Shootcuisine: Woher beziehst Du deine Lebensmittel?
Stefan: Ich habe mir im Laufe der Zeit ein verlässliches Händlernetz aufgebaut. Inzwischen sind auch viele regionale Lieferanten darunter, was mich bei jedem Einkauf aufs Neue erfreut.

 

Shootcuisine: Gibt es Lebensmittel, die Du nicht isst oder bewusst nicht verwendest?
Stefan: Es gibt eigentlich nichts, das ich nicht probieren würde. Wenn es aber keinen Sinn macht, lass ich es. Ob Spargel im Dezember vom Ende der Welt, Krokodil oder Känguru….. Das sollen die essen, zu deren Kultur es gehört. Ich versuche mit der Saison zu gehen und möglichst viel aus kurzer Distanz zu kaufen.

 

Shootcuisine: Bio-Lebensmittel erleben seit geraumer Zeit einen Boom. Was hälst Du persönlich von Bioprodukten?
Stefan: Dazu kann man Romane schreiben. In Kurzform: Finde ich gut! Es muss aber nicht unbedingt Bio sein. Artgerecht, regional und sauber gearbeitet reicht mir auch. Da gibt es inzwischen gute Alternativen. Ein Bio-Zertifikat ist für kleine Erzeuger oft zu teuer. Es muss nicht zwangsläufig heißen, dass die Qualität nicht trotzdem top ist.

 

Shootcuisine: Was bedeutet für Dich gesunde Küche?
Stefan: Wieder so ein Thema, über das man sehr viel schreiben kann.
Wenn man auf industriell gefertigte Produkte verzichtet, ernährt man sich in der Regel schon sehr gesund!

 

Shootcuisine: Und der derzeitige Trend sich vegan zu ernähren?
Stefan: Ein Thema, dem man sich nicht mehr entziehen kann. Vegan zu kochen und sich zu ernähren ist eine Lebenseinstellung. Diese teile ich nicht, aber ich koche auch für mich privat tatsächlich immer mehr vegan. Ist deutlich aufwendiger und verlangt mehr Planung. Aber es kann sehr gut sein.

 

Shootcuisine: Du hast in Deiner Karriere für bedeutende Sterneköche gearbeitet. Ist ein Stern im Gasthaus Stromberg auch Dein Ziel?
Stefan: Nein. Ich hatte selbst 5 Jahre einen Stern. Es ist ein schönes Gefühl. Aber ich arbeite darauf nicht mehr gezielt hin.

 

Shootcuisine: Dein Lieblingsrezept, wenn’s schnell gehen muss? Fast Food à la Stefan Manier?                                                                                                Stefan: Risotto

 

Shootcuisine: Du hast einen Sohn, Justus. Was kochst Du als Papa zu Hause?
Stefan: Für Justus und mich koche ich tatsächlich viel vegan. Obwohl Justus auch total auf Frikadellen steht, die man ja auch sehr gut machen kann… mag ich übrigens auch selbst sehr gern.

 

Shootcuisine: Würdest Du deinem Sohn den Beruf als Koch empfehlen?    Stefan: Stand heute? Nein…

Shootcuisine: Und zu guter Letzt…Dein Lieblingsgericht ist Schnitzel? Hast Du einen besonderen Tipp für die Zubereitung?
Stefan: Top Fleisch kaufen. Frisches Ei, nur leicht verquirlt mit etwas Sahne.
Frisches, gutes Paniermehl. Beim panieren das Paniermehl nicht andrücken.
In reichlich gutem Fett backen.

KEINE SOßE dazu essen 🙂 Nur Preiselbeeren und Zitrone

 

Lara Ingenbleek
Waltrop, 24.03.2016

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